Salons

DER UTOPISCHE SALON IM JANUAR 2019 IN FRANKFURT

Der Utopische Salon und die Rolle der Politik

Im Utopischen Salon machen wir uns Gedanken darüber, wie wir heute die Welt von morgen gestalten können, eine lebenswerte Welt, in der realistische Utopien wahr werden (und nicht die allgegenwärtig kursierenden Schreckensszenarien). Dafür braucht es eine breite gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diese Themen, den Willen, sich mit diesen auseinanderzusetzen und den Glauben an die eigene Wirksamkeit, etwas zum besseren bewegen zu können. Wir wollen nicht zu- oder gar wegsehen, sondern denken und handeln. Wir wollen nicht auf die Politik warten, richtig – und doch ist die Politik ein gestaltender Teil der Gesellschaft, eine Kraft, die wir nicht ignorieren dürfen, wenn wir wirksam sein wollen. Demokratie ist ein hohes Gut, das aktive Beteiligung und Einmischung braucht. Schon bei unserer letzten Diskussion zum Thema „Ethik und Werte“ haben wir immer wieder politische Fragen gestreift, z.B. wieviel Gleichheit braucht die Demokratie? Kann/soll staatliche Intervention dies lenken?

Welche Rolle können und sollten Politik und gesellschaftliche Institutionen im Rahmen der Digitalisierung spielen?

Regulieren? Infrastruktur bereitstellen? Vorhaben fördern? Aktiv gestalten? …

  • Was können wir tun, um politischen Diskurs und Entscheidungsfindung sinnvoll voranzutreiben?
  • Wie können wir dazu beitragen, dass Politiker aller Generationen auf Augenhöhe kommen und mit den Entwicklungen (mindestens) Schritt halten?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchen wir seitens der Politik im Hinblick auf unsere Themen, angefangen bei Werten und Ethik über Bildung bis hin zur Zukunft der Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben?
  • Sollten wir uns stärker in den politischen Diskurs einbringen und wenn ja – wie?
  • Müssen wir dazu jetzt alle selbst in die Politik gehen 😉

Ein Fazit: beim nächsten Utopischen Salon werden wir gezielt Vertreter aus der Politik einladen, um die Themen gemeinsam zu diskutieren und zu transportieren – also: mehr demnächst in diesem Kino …

 

Der Utopische Salon im September 2018 in Frankfurt

Ethik und Werte im digitalen Zeitalter

Ein zugegebenermaßen gigantisches Thema für einen einzigen Abend – there’s definitely more to come …

Die Fragen, die uns beschäftigt haben – kurz angerissen:

  • Hat Digitalisierung einen Einfluss auf den gesellschaftlichen Werte-Konsens und wenn ja – welchen?
  • Ist die Digitalisierung der Auslöser oder eher der „Brandbeschleuniger“ für ohnehin zugrundeliegende Entwicklungen?
  • Was hat sich bereits geändert – und warum?
  • In diesem Zusammenhang viel diskutiertes Beispiel: autonomes Fahren und der oft strapazierte „Death Algorithm“ – wer oder was ist „schuld“, wenn doch etwas passiert? Geht es dabei um Haftungsfragen (juristisch lösbar) oder doch auch um Genugtuung/“Rache“ (schwierig …)?
  • Wieviel individuelle (Entscheidungs-)Freiheit verträgt die Zukunft (denn „richtig“ oder „falsch“ im ethischen Sinne braucht ja die Freiheit, sich für das eine oder andere entscheiden zu können)?
  • Braucht es neue/andere Werte? Oder eher eine Renaissance des Humanismus?
  • Wird die digitale Ökonomie („Exonomics“) die Gesellschaft spalten – oder sind das sowieso nur Hirngespinste?
  • Wieviel Gleichheit braucht die Demokratie?
  • Kann/soll staatliche Intervention dies lenken (z.B. „reward work, not wealth“)?
  • (Wie) können wir die Entwicklung gestalten?
Der Utopische Salon im Mai 2018 in FrankfurT

Künstliche Intelligenz: Mythos, Hype und Realität

Künstliche Intelligenz (oder AI: Artificial Intelligence) ist derzeit in aller Munde und (vielleicht neben Blockchain) das Hype-Thema schlechthin. Dabei wird der Begriff „AI“ recht unscharf verwendet: die Bandbreite geht vom simplen Computerprogramm über Data Science bis hin zur kognitiven künstlichen Intelligenz der Science Fiction. In den meisten Fällen ist allerdings Machine Learning gemeint, eine AI-Disziplin auf Basis neuronaler Netzte, die große Datenmengen als Input benötigt. Ein weiterer, durchaus auch spannender Ansatz ist Machine Reasoning, eine Weiterentwicklung der Expertensysteme der 1980er Jahre. Eine Gemeinsamkeit ist, dass die Methoden an sich bereits seit geraumer Zeit in der Wissenschaft und auch in Nischenbereichen der Wirtschaft entwickelt und eingesetzt werden, jetzt aber aufgrund verfügbarer Rechenleistung und auswertbarer Daten in allen Lebensbereichen mehr und mehr zum Einsatz kommen. Zu Gast war der Utopische Salon dieses Mal bei Chris Boos, Gründer und CEO von Arago. Chris ist Vordenker und Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Es war daher naheliegend, einige Frage zur AI näher zu beleuchten und zu diskutieren.

Was kann AI heute wirklich?

Welche Ansätze gibt es? Welche Disziplin ist für welchen Zweck am besten geeignet und warum? Warum erkennt ein Algorithmus, den ich aufwändig auf Katzenfotos trainiere nicht automatisch auch Meerschweinchen (man nennt das „Narrow AI“)? Gibt es nicht auch so etwas wie „General AI“? Was kann die und wo sind die Grenzen? Warum sollten wir trotzdem – oder gerade deshalb – nicht aufhören, selbst zu denken und zu lenken? 

Was entsteht da – und ist uns das ähnlich?

Wird uns AI erst simulieren und dann ersetzen? Auffällig ist, dass Computer und Maschinen gerade da besonders gut sind, wo wir Menschen das nicht sind – und umgekehrt. Das gilt für alle heute bekannten Arten von AI. Aber werden die Expertensysteme jetzt tatsächlich selbst die besten menschlichen Experten überholen? Immerhin spielen die Maschinen schon heute besser Schach, Go und Civilization als die menschlichen (Groß-)Meister … Oder werden eher die Tätigkeiten automatisiert, bei denen Menschen heute mehr oder weniger so arbeiten (müssen) wie Maschinen – „Herrn Taylor sei Dank“ – also Prozesse mit repetitiven Aufgaben, bei denen es auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit ankommt? Das wären ja genau die Tätigkeiten, die den meisten Menschen ohnehin wenig Spaß machen … Gerade deshalb müssen wir uns heute (!) mit den Folgen für den einzelnen und die Gesellschaft auseinandersetzen. Dann könnte das tatsächlich eine Chance sein, uns wieder mehr auf das zu konzentrieren, was uns eigentlich ausmacht, nämlich Neugier, Kreativität und der Austausch mit anderen Menschen!

Wie wird die Entwicklung weitergehen?

Tja, die Gretchenfrage … Fakt ist: AI ist aus vielen Lebensbereichen bereits heute nicht mehr wegzudenken – und wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die unaufhaltsam weitergeht. Aber in welche Richtung? Passiert das einfach alles oder können wir beeinflussen, steuern und wie? Wie sähe eine gute Vision der Zukunft aus?
Der Utopische Salon im Februar 2018 in FrankfurT

 

Aufgrund des mit steigender Rechenpower immer realistischeren Einsatzes von Robotic Process Automation, Machine Learning und dynamischer Expertensysteme sagen Studien massive Arbeitsplatzverluste bereits in den nächsten zehn Jahren voraus, die nicht nur die einfachsten Tätigkeiten betreffen. Die Presse greift dies auf, zum Teil mit alarmistischen Untertönen.

Das Thema „Zukunft der Arbeit“ ist in aller Munde

Auch wir haben uns beim Utopischen Salon im Februar in Frankfurt damit beschäftigt – auch wir haben mehr Fragen als Antworten, denken aber, dass man bereits manche Fragen differenzierter stellen muss. Einige Aspekte, die wir dabei angeschnitten haben, waren (unter anderem):

Bedingungsloses Grundeinkommen

Wenn Maschinen zunehmend Teile der Wertschöpfung bzw. ganze Wertschöpfungsketten übernehmen: was heißt das für die Menschen? Wie allokieren wir neu? Löst ein bedingungsloses Grundeinkommen die entstehenden Probleme? Bräuchte es dafür nicht globale Sozialstandards (und dementsprechend eine sehr weitreichende internationale Kooperation)? Oder sollte man das Konzept besser lokal „verproben“ und Erfahrungen sammeln?

Welche Jobs sind überhaupt wie stark betroffen?

Studien betrachten meist ganze Berufsbilder, in Wirklichkeit sind es aber dezidierte Aufgaben, die nach und nach (und nicht erst seit heute) durch Maschinen ersetzt werden. Vor allem regelbasierte und repetitive Aufgaben können gut von Maschinen übernommen werden, d.h. alles, wo Menschen heute mehr oder weniger „maschinenähnlich“ arbeiten. Dadurch werden sich Jobs weiter massiv verändern, aber nicht zwingend ersatzlos entfallen.

Lebenslanges Lernen

Die drei Phasen Ausbildung – Arbeit – Ruhestand sind heute schon passé. Ebenso suggerieren Initiativen wie der „digitale Führerschein“, den viele Unternehmen ihren Mitarbeitern anbieten, ein statisches Wissen, das man sich einmal erwirbt und dann für immer anwendet. Tatsächlich ist das Leben bereits heute geprägt durch eine Vielzahl individueller Phasen, von Neuanfängen und kontinuierlichem Lernen. Wissen und Expertise sind kein statisches Asset, das man über einen langen Zeitraum „auscashen“ kann.

Lust und Last der Freiheit

Wird es überhaupt noch Jobs im heutigen Sinne geben („Zeit gegen Geld?“) oder werden wir unsere Zeit, Energie, Intelligenz, Kreativität, Fürsorge anderweitig einsetzen können? Wer wird sich diese Freiheit leisten können – oder hängen wir den Großteil der Menschen ab (Szenario „Drogen und Computerspiele“)? Welchen Anteil haben einerseits Genetik, andererseits Erziehung und Bildung an Fähigkeiten wie Selbststeuerung und Impulskontrolle – unverzichtbar, wenn äußere Zwänge wie „geregelte Arbeit“ entfallen?