Salons

Der Utopische Salon im Oktober 2019 in Frankfurt

Digitalisierung – gut oder schlecht für’s Klima?

Der globale Energiebedarf wird trotz Verhaltensänderungen und Energieeffizienz weiter zunehmen – und selbst dann, wenn wir uns von dem Credo verabschieden könnten, dass nur immerwährendes Wachstum Wohlstand und Lebensqualität garantiert. Verzicht ist tatsächlich ein Privileg, nämlich das der Eliten: „Seit der Dampfmaschine holen wir Kohle und Öl aus dem Boden, darauf basiert unsere ganze Wirtschaft und unser Wohlstand. Dann haben wir Orwell und Huxley komplett implementiert, rein aus Komfortgründen. Und jetzt wollen wir den Entwicklungsländern Verbote erteilen – das ist zynisch, das wird nicht funktionieren.“ Für den Weg aus dem Dilemma brauchen wir vor allem technische Lösungen wie umweltfreundliche, erneuerbare Energien und auch wie CO2-Scrubbing. Photovoltaik ist heute schon – global gesehen – die günstigste Form, Strom zu erzeugen. Leider ist in Deutschland und Europa derzeit eine gewisse Technikskepsis en vogue, die zumeist jedoch auf Unkenntnis und diffusen Ängsten beruht.

Das zweite Problem an der Diskussion ist, dass „gerechter Zorn“ nicht weiterhilft, sondern im Gegenteil die Gesellschaft spaltet. Wer die Zukunft zur knappen Ressource erklärt, braucht sich über Verteilungskämpfe nicht zu wundern. „Die Menschen stehen momentan auf Lügen und honorieren sie, weil die sich gut anfühlen“. „Sie haben Angst und fallen deshalb auf einfache Antworten herein“. Der Zeitgeist ist stärker von Egoismus und Nationalismus als von Vertrauen und gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt. Und auch die Einstellung „Hauptsache, es wird etwas gemacht“, ist destruktiv, denn wir haben nur begrenzte Kapazität, etwas zu tun. Es ist fatal, das Falsche zu tun, und es ist ein Fehlglaube, dass alles reparierbar sei. Zur Lösung der Probleme bräuchten wir mehr Kooperation – auch auf globaler Ebene, nicht weniger. Etablierte Strukturen für globale Lösungen sind aber kaum vorhanden.

„Wir diskutieren den Einzelfall, aber negieren das Systemische“, „wir bewegen uns derzeit nicht auf etwas Stabiles zu“.

Beispiel Mobilität: In Deutschland sind wir komplett von der Autoindustrie abhängig. Wir sollten aber über autonomes Fahren sprechen, nicht über e-Mobilität. Das würde zu 70% weniger Autos führen. Die Automobilindustrie bräuchte komplett andere (politische) Rahmenbedingungen

Daraus ergeben sich ein paar Kernfragen für den nächsten Salon:

  • Was zeichnet resiliente Organisationen aus? Wie bauen wir schnell adaptive resiliente Systeme? 
  • Wie bekommen wir wieder Dämpfung ins System (langfristige vs. kurzfristige Entscheidungen, regionale Kreisläufe, Föderalismus, Mittelstand …)?
  • Wie stellen wir wieder Vertrauen her (in Institutionen, Geschäftspartner, Mitmenschen …)?
DER UTOPISCHE SALON IM Juni 2019 IN FRANKFURT

Der Utopische Salon und die Rolle der Politik – Teil 2: Was ist der europäische Weg?

Danke an Falk Ebert für die Zusammenfassung!

Der sechste Utopische Salon war ein besonderer. Wegen des inspirierenden und offenen Dialogs über Politik. Aber auch deshalb, weil wir nicht nur über Politik, sondern mit der Politik sprechen konnten: Wir hatten Peter Heidt (FDP) zu Gast, der in Kürze in den Bundestag einziehen wird. Vielen Dank für den Besuch und den konstruktiven Austausch!

Interessante Zeiten

Die Diskussion in der Gruppe war geprägt durch aktuelle Themen wie die Klimafrage und die Fridays for Future. Wir beobachten hier eine junge Generation, die sich unter Berufung auf wissenschaftlichen Konsens international vernetzt. Das ist politische Teilhabe in einer Form, die es bislang in diesem Ausmaß nicht gegeben hat.

Ein weiterer aktueller Impuls für die Runde war das Rezo-Video. Natürlich konnten nicht alle Inhalte en detail diskutiert werden. Einigkeit bestand aber darin, dass die Quellenarbeit und die Diktion des Videos großen Respekt verdienen. Wer das Video und das Google Doc bislang nur aus der Berichterstattung kennt, sollte definitiv einen Blick in die Primärquelle werfen. Was muss die Politik aus dem Video lernen? Die bisherigen Reaktionen der Spitzenpolitiker können in jedem Fall weder inhaltlich noch formal als adäquate Antwort angesehen werden. Verwunderung gab es von Seiten der Teilnehmer auch darüber, wie schwer sich die Politik in Deutschland oft mit langfristig denkender Digitalpolitik tut. Das Zitat bezogen auf 5G an “jeder Milchkanne” ist dabei nur ein Symptom – allerdings ein besonders ärgerliches.

Wie jede Generation vor uns leben wir in Zeiten, in denen viel auf dem Spiel steht.

Quo Vadis, Europa?

Die Tagespolitik in Deutschland ist oft noch von der Auseinandersetzung des Bundes gegen die Länder geprägt. Siehe den Streit um den Digitalpakt. Dabei ist längst klar: Die wirklich notwendigen Herausforderungen angesichts der Digitalisierung lassen sich schon jetzt nicht mehr auf Ebene der Nationalstaaten lösen. Das gilt für die Bildung ebenso wie für eine KI-Strategie, bis hin zur Frage, wie wir im Zeitalter der Digitalisierung die Verteilung des Kapitals regeln können und wollen.

Angesichts des Status Quo der Digitalwirtschaft in Europa und der digitalen Infrastruktur, darf gefragt werden, ob Europa hier überhaupt noch aufholen kann. Doch selbst wenn, ist die Frage nach dem wie die deutlich interessantere. Ein reines Nacheifern der Strukturen und Lösungen, die wir in USA und China sehen, sind wohl kaum mit den europäischen Vorstellungen von Sozial- und Rechtsstaat vereinbar. Gleichzeitig reicht es nicht, sich darauf zu berufen, der ethisch korrekte Verlierer des Wettlaufs um Themen wie KI zu sein. Aktuelle Zeichen aus Russland, USA und China müssen hier aufrütteln. Wer international eine Rolle spielen möchte, muss spieltheoretisch handlungsfähig bleiben.

Wie also kann eine Lösung aussehen, die mit Europas Grundwerten vereinbar ist? Was ist der europäische Weg, der uns in die wünschenswerte Zukunft führen kann?

Drei von vielen Erfolgsfaktoren

Drei Muster haben sich im Laufe des Abends aus meiner Sicht herausgebildet, die hier eine – erste und unvollständige – Antwort geben können.

1) Zunächst der Wunsch nach langfristigerem, strategischerem und systemischerem Denken in der Politik. Öfter die Meta-Perspektive einnehmen. Dynamische Systeme als solche erkennen und steuern. In Grundbegriffen und grundlegenden Zusammenhängen – Modebegriff “first principles” – denken. Dafür wird es langfristig auch neue Kennzahlen – Modebegriff KPIs – benötigen. Politik als reiner reaktiver Ausgleich von Interessen schafft Stabilität, aber ist langfristig gefährlich. Eine Politik, die nur in Zeiträumen einer Legislaturperiode denkt, kann international nicht mithalten. 

2) Doch was tun, wenn der Wählerwille nicht mitzieht? Ein Thema, auf das die Diskussion im Salon immer wieder zurückkam, ist die Bildung. Die zukunftsfähige europäische Demokratie kann nur eine hochgradig gebildete und erklärende Demokratie sein. Es reicht nicht, wenn eine Elite ein Handeln im Sinne des ersten Punktes versteht und vorschlägt. Bei vielen Fragen sind die notwendigen Antworten längst Konsens unter Experten, aber scheitern am Rückhalt der Bevölkerung. Es gibt also langfristig keine bessere Investition als die in die Köpfe der Bürger. Und wer bei Bildung nur an Schulen und Hochschulen denkt, vergisst den wichtigsten Punkt: Das lebenslange Lernen.

3) Um eine Politik im Sinne des ersten Punktes zu gestalten und im Sinne des zweiten Punktes zu ermöglichen, kommt schnell auf den dritten Punkt. Auch dieser Punkt war ein rekursives Motiv in unserer Runde: Die Kooperation. Gerade jetzt, wo die Sicherheit der großen Volksparteien schwindet, benötigt es agile Allianzen, die gemeinsam im Namen der richtigen Sache handeln. Das gilt für Parteien ebenso wie für das Zusammenspiel aus Staat, Wirtschaft, Medien und Zivilgesellschaft. Und natürlich gilt es für die Nationalstaaten in Europa und darüber hinaus.

Fazit

Ein Beispiel aus der Salonrunde illustriert den Handlungsbedarf perfekt: Eine Teilnehmerin hatte sämtlichen Schulen in ihrer Nähe angeboten, dort ehrenamtlich Programmierunterricht zu geben. Keine einzige Schule hatte sich zurückgemeldet. Die langfristige Perspektive (Code Literacy als Kernkompetenz im 21. Jahrhundert) scheiterte hier an dem Punkt, an dem sie ansetzen muss (Bildung) aufgrund von nicht gelernter Kooperation (zwischen Zivilgesellschaft und staatlicher Struktur).

Die positive Botschaft ist jedoch: Europa hat die Ressourcen, die wir brauchen. Wir haben über eine halbe Milliarde Menschen, die sich eine bessere Zukunft wünschen. Wir haben eine hoffnungsvolle neue Generation, die sich politisch einbringt. Und die haben alle Smartphones in der Tasche, die die in Schulen übliche Ausstattung des Computerraums in Sachen Rechenpower und Medientechnik weit übertrifft. 

Machen wir etwas daraus!

 

DER UTOPISCHE SALON IM JANUAR 2019 IN FRANKFURT

Der Utopische Salon und die Rolle der Politik – Teil 1: Regulieren? Infrastruktur bereitstellen? Vorhaben fördern? Aktiv gestalten? …

Im Utopischen Salon machen wir uns Gedanken darüber, wie wir heute die Welt von morgen gestalten können, eine lebenswerte Welt, in der realistische Utopien wahr werden (und nicht die allgegenwärtig kursierenden Schreckensszenarien). Dafür braucht es eine breite gesellschaftliche Aufmerksamkeit für diese Themen, den Willen, sich mit diesen auseinanderzusetzen und den Glauben an die eigene Wirksamkeit, etwas zum besseren bewegen zu können. Wir wollen nicht zu- oder gar wegsehen, sondern denken und handeln. Wir wollen nicht auf die Politik warten, richtig – und doch ist die Politik ein gestaltender Teil der Gesellschaft, eine Kraft, die wir nicht ignorieren dürfen, wenn wir wirksam sein wollen. Demokratie ist ein hohes Gut, das aktive Beteiligung und Einmischung braucht. Schon bei unserer letzten Diskussion zum Thema „Ethik und Werte“ haben wir immer wieder politische Fragen gestreift, z.B. wieviel Gleichheit braucht die Demokratie? Kann/soll staatliche Intervention dies lenken?

Welche Rolle können und sollten Politik und gesellschaftliche Institutionen im Rahmen der Digitalisierung spielen?

Regulieren? Infrastruktur bereitstellen? Vorhaben fördern? Aktiv gestalten? …

  • Was können wir tun, um politischen Diskurs und Entscheidungsfindung sinnvoll voranzutreiben?
  • Wie können wir dazu beitragen, dass Politiker aller Generationen auf Augenhöhe kommen und mit den Entwicklungen (mindestens) Schritt halten?
  • Welche Rahmenbedingungen brauchen wir seitens der Politik im Hinblick auf unsere Themen, angefangen bei Werten und Ethik über Bildung bis hin zur Zukunft der Arbeit und ein selbstbestimmtes Leben?
  • Sollten wir uns stärker in den politischen Diskurs einbringen und wenn ja – wie?
  • Müssen wir dazu jetzt alle selbst in die Politik gehen 😉

Ein Fazit: beim nächsten Utopischen Salon werden wir gezielt Vertreter aus der Politik einladen, um die Themen gemeinsam zu diskutieren und zu transportieren – also: mehr demnächst in diesem Kino …

 

Der Utopische Salon im September 2018 in Frankfurt

Ethik und Werte im digitalen Zeitalter

Ein zugegebenermaßen gigantisches Thema für einen einzigen Abend – there’s definitely more to come …

Die Fragen, die uns beschäftigt haben – kurz angerissen:

  • Hat Digitalisierung einen Einfluss auf den gesellschaftlichen Werte-Konsens und wenn ja – welchen?
  • Ist die Digitalisierung der Auslöser oder eher der „Brandbeschleuniger“ für ohnehin zugrundeliegende Entwicklungen?
  • Was hat sich bereits geändert – und warum?
  • In diesem Zusammenhang viel diskutiertes Beispiel: autonomes Fahren und der oft strapazierte „Death Algorithm“ – wer oder was ist „schuld“, wenn doch etwas passiert? Geht es dabei um Haftungsfragen (juristisch lösbar) oder doch auch um Genugtuung/“Rache“ (schwierig …)?
  • Wieviel individuelle (Entscheidungs-)Freiheit verträgt die Zukunft (denn „richtig“ oder „falsch“ im ethischen Sinne braucht ja die Freiheit, sich für das eine oder andere entscheiden zu können)?
  • Braucht es neue/andere Werte? Oder eher eine Renaissance des Humanismus?
  • Wird die digitale Ökonomie („Exonomics“) die Gesellschaft spalten – oder sind das sowieso nur Hirngespinste?
  • Wieviel Gleichheit braucht die Demokratie?
  • Kann/soll staatliche Intervention dies lenken (z.B. „reward work, not wealth“)?
  • (Wie) können wir die Entwicklung gestalten?
Der Utopische Salon im Mai 2018 in FrankfurT

Künstliche Intelligenz: Mythos, Hype und Realität

Künstliche Intelligenz (oder AI: Artificial Intelligence) ist derzeit in aller Munde und (vielleicht neben Blockchain) das Hype-Thema schlechthin. Dabei wird der Begriff „AI“ recht unscharf verwendet: die Bandbreite geht vom simplen Computerprogramm über Data Science bis hin zur kognitiven künstlichen Intelligenz der Science Fiction. In den meisten Fällen ist allerdings Machine Learning gemeint, eine AI-Disziplin auf Basis neuronaler Netzte, die große Datenmengen als Input benötigt. Ein weiterer, durchaus auch spannender Ansatz ist Machine Reasoning, eine Weiterentwicklung der Expertensysteme der 1980er Jahre. Eine Gemeinsamkeit ist, dass die Methoden an sich bereits seit geraumer Zeit in der Wissenschaft und auch in Nischenbereichen der Wirtschaft entwickelt und eingesetzt werden, jetzt aber aufgrund verfügbarer Rechenleistung und auswertbarer Daten in allen Lebensbereichen mehr und mehr zum Einsatz kommen. Zu Gast war der Utopische Salon dieses Mal bei Chris Boos, Gründer und CEO von Arago. Chris ist Vordenker und Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Es war daher naheliegend, einige Frage zur AI näher zu beleuchten und zu diskutieren.

Was kann AI heute wirklich?

Welche Ansätze gibt es? Welche Disziplin ist für welchen Zweck am besten geeignet und warum? Warum erkennt ein Algorithmus, den ich aufwändig auf Katzenfotos trainiere nicht automatisch auch Meerschweinchen (man nennt das „Narrow AI“)? Gibt es nicht auch so etwas wie „General AI“? Was kann die und wo sind die Grenzen? Warum sollten wir trotzdem – oder gerade deshalb – nicht aufhören, selbst zu denken und zu lenken? 

Was entsteht da – und ist uns das ähnlich?

Wird uns AI erst simulieren und dann ersetzen? Auffällig ist, dass Computer und Maschinen gerade da besonders gut sind, wo wir Menschen das nicht sind – und umgekehrt. Das gilt für alle heute bekannten Arten von AI. Aber werden die Expertensysteme jetzt tatsächlich selbst die besten menschlichen Experten überholen? Immerhin spielen die Maschinen schon heute besser Schach, Go und Civilization als die menschlichen (Groß-)Meister … Oder werden eher die Tätigkeiten automatisiert, bei denen Menschen heute mehr oder weniger so arbeiten (müssen) wie Maschinen – „Herrn Taylor sei Dank“ – also Prozesse mit repetitiven Aufgaben, bei denen es auf Vollständigkeit oder Fehlerfreiheit ankommt? Das wären ja genau die Tätigkeiten, die den meisten Menschen ohnehin wenig Spaß machen … Gerade deshalb müssen wir uns heute (!) mit den Folgen für den einzelnen und die Gesellschaft auseinandersetzen. Dann könnte das tatsächlich eine Chance sein, uns wieder mehr auf das zu konzentrieren, was uns eigentlich ausmacht, nämlich Neugier, Kreativität und der Austausch mit anderen Menschen!

Wie wird die Entwicklung weitergehen?

Tja, die Gretchenfrage … Fakt ist: AI ist aus vielen Lebensbereichen bereits heute nicht mehr wegzudenken – und wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die unaufhaltsam weitergeht. Aber in welche Richtung? Passiert das einfach alles oder können wir beeinflussen, steuern und wie? Wie sähe eine gute Vision der Zukunft aus?
Der Utopische Salon im Februar 2018 in FrankfurT

 

Aufgrund des mit steigender Rechenpower immer realistischeren Einsatzes von Robotic Process Automation, Machine Learning und dynamischer Expertensysteme sagen Studien massive Arbeitsplatzverluste bereits in den nächsten zehn Jahren voraus, die nicht nur die einfachsten Tätigkeiten betreffen. Die Presse greift dies auf, zum Teil mit alarmistischen Untertönen.

Das Thema „Zukunft der Arbeit“ ist in aller Munde

Auch wir haben uns beim Utopischen Salon im Februar in Frankfurt damit beschäftigt – auch wir haben mehr Fragen als Antworten, denken aber, dass man bereits manche Fragen differenzierter stellen muss. Einige Aspekte, die wir dabei angeschnitten haben, waren (unter anderem):

Bedingungsloses Grundeinkommen

Wenn Maschinen zunehmend Teile der Wertschöpfung bzw. ganze Wertschöpfungsketten übernehmen: was heißt das für die Menschen? Wie allokieren wir neu? Löst ein bedingungsloses Grundeinkommen die entstehenden Probleme? Bräuchte es dafür nicht globale Sozialstandards (und dementsprechend eine sehr weitreichende internationale Kooperation)? Oder sollte man das Konzept besser lokal „verproben“ und Erfahrungen sammeln?

Welche Jobs sind überhaupt wie stark betroffen?

Studien betrachten meist ganze Berufsbilder, in Wirklichkeit sind es aber dezidierte Aufgaben, die nach und nach (und nicht erst seit heute) durch Maschinen ersetzt werden. Vor allem regelbasierte und repetitive Aufgaben können gut von Maschinen übernommen werden, d.h. alles, wo Menschen heute mehr oder weniger „maschinenähnlich“ arbeiten. Dadurch werden sich Jobs weiter massiv verändern, aber nicht zwingend ersatzlos entfallen.

Lebenslanges Lernen

Die drei Phasen Ausbildung – Arbeit – Ruhestand sind heute schon passé. Ebenso suggerieren Initiativen wie der „digitale Führerschein“, den viele Unternehmen ihren Mitarbeitern anbieten, ein statisches Wissen, das man sich einmal erwirbt und dann für immer anwendet. Tatsächlich ist das Leben bereits heute geprägt durch eine Vielzahl individueller Phasen, von Neuanfängen und kontinuierlichem Lernen. Wissen und Expertise sind kein statisches Asset, das man über einen langen Zeitraum „auscashen“ kann.

Lust und Last der Freiheit

Wird es überhaupt noch Jobs im heutigen Sinne geben („Zeit gegen Geld?“) oder werden wir unsere Zeit, Energie, Intelligenz, Kreativität, Fürsorge anderweitig einsetzen können? Wer wird sich diese Freiheit leisten können – oder hängen wir den Großteil der Menschen ab (Szenario „Drogen und Computerspiele“)? Welchen Anteil haben einerseits Genetik, andererseits Erziehung und Bildung an Fähigkeiten wie Selbststeuerung und Impulskontrolle – unverzichtbar, wenn äußere Zwänge wie „geregelte Arbeit“ entfallen?